Eigentlich lautet die spannendere Frage: Warum tun wir Selbstständige uns Dinge an, die gar nicht nötig wären?
Diesen Artikel schreibe ich im Rahmen der Blogparade „Warum tu ich mir das eigentlich an?“ von Céline Tüyeni von Text mit Ziel. Sie hat Unternehmerinnen und Unternehmer eingeladen, ehrlich über ihre Selbstständigkeit zu schreiben – mit allen Höhen und Tiefen. Eine Einladung, der ich sehr gerne gefolgt bin. Vielleicht möchtest du auch selbst mitmachen.
Ja, ich habe mir diese Frage schon oft gestellt.
Nicht nur einmal. Sie kommt immer mal wieder hoch. Vielleicht hätte ich Striche machen sollen. Da wären seit Beginn meiner Selbstständigkeit 2008 einige zusammengekommen. Dünne, fast gestrichelte und einige richtig fette.
Zum Beispiel
- nach Tagen, an denen ich das Gefühl hatte, viel gearbeitet zu haben und trotzdem kaum vorangekommen zu sein.
- Wenn eine Idee, von der ich überzeugt war, einfach nicht funktioniert hat.
- Oder wenn ich stundenlang an einem technischen Problem hing, obwohl ich in der Zeit viel lieber mit meinen Kunden gearbeitet hätte.
Ich teile gleich noch weitere Beispiele, die dir in deinem Unternehmen bestimmt so oder so ähnlich auch schon begegnet sind.
Mir hat das immer geholfen, zu wissen: Es geht nicht nur mir so.
Ich glaube, diese Momente gehören zur Selbstständigkeit dazu. Es gibt Tage, an denen man vor Energie sprüht und das Gefühl hat, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Und dann gibt es Tage, an denen man sich fragt, warum man sich das alles eigentlich antut.
Meine Antwort lautet heute trotzdem ganz klar:
Weil ich die Selbstständigkeit liebe.
Ich liebe die Freiheit, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich liebe es, Ideen zu entwickeln, Dinge auszuprobieren und zu erleben, dass meine Arbeit anderen wirklich hilft.
Die strahlenden Gesichter machen mich glücklich. Wenn Kunden einen Durchbruch hatten oder mir sagen: „So hat mir das noch niemand erklärt. Jetzt fügen sich alle Puzzleteile zusammen.“ Dann weiß ich, dass es sich lohnt.
Aber das war nicht der Grund, warum ich Unternehmerin geworden bin. Ich wollte, mein eigenes Ding machen. Eine eigene Marke aufbauen. Verantwortung tragen und selbstbestimmt arbeiten.
Doch wie sich meine Kunden ändern, genau deshalb würde ich mich auch heute wieder für diesen Weg entscheiden.
Hey, immerhin ist dies grad mein drittes Unternehmen. Und vielleicht liegt es auch in den Genen. Denn schon als Kind habe ich viel durch die Selbstständigkeit meines Vaters gelernt.
Allerdings hat sich meine Antwort auf die Frage warum im Laufe der Jahre deutlich verändert. Und genau das finde ich heute am spannendsten.
Es gab Momente, in denen ich am liebsten aufgehört hätte.
Zum Beispiel, wenn Sonntagabend ein Mitarbeiter anrief und sich krank meldete. Natürlich meist dann, wenn ein anderer im Urlaub war. Ist das eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz? Dann hätte ich das gern vorher gewusst.
Doch das war nichts gegen das, was 2017 passierte.
Damals war ich schon 9 Jahre Inhaberin eines Mrs.Sporty Clubs in Hamburg. Eigentlich lief vieles gut. Wir hatten tolle Mitglieder, ein großartiges Team und ich durfte jeden Tag erleben, wie Frauen durch Training und Gemeinschaft wieder mehr Lebensfreude gewonnen haben.
Und trotzdem war genau diese Zeit eine der schwersten meines Unternehmerlebens.
2016 hatte ich ein zweites Studio eröffnet. Lief ja, warum nicht verdoppeln. Synergien nutzen. Und ja, ich brauchte auch eine neue Herausforderung. Aber so?
Das zweite Studio lief nicht und zog das erste mit runter. Erstmals spürte ich, was Existenzangst wirklich bedeutet. Der Stress hatte seine Folgen:
Ein Hörsturz veränderte plötzlich alles.
Von heute auf morgen hörte ich auf einem Ohr nichts mehr. Dazu kam ein permanenter Tinnitus in Form eines Rauschens im linken Ohr. Ich musste lernen, mit etwas zu leben, das nicht einfach wieder verschwindet. Nächstes Jahr feiert „Rauschi“ seinen 10. Geburtstag.
Damals habe ich mich tatsächlich gefragt, ob das alles den Preis wert ist.
Nicht nur einmal.
Aber Aufgeben war nie eine Option. Kredite, feste Mietlaufzeit und natürlich auch die Mitarbeiter, für die ich Verantwortung hatte. Ich machte weiter.
Nach dem Verkauf des zweiten Studios habe ich das erste wieder auf Erfolgskurs gebracht. Aber ich wusste auch gleichzeitig: Das mache ich nur noch bis zum Ende meines Franchisevertrages.
Als es soweit war, hätte ich mir problemlos einen sicheren Job suchen können. Stattdessen habe ich noch einmal ganz von vorne angefangen. Mit Kundenfairständnis®. Mit einer Idee, von der ich überzeugt bin, obwohl ihr Aufbau deutlich länger dauerte, als ich damals gedacht hätte.
Krisen wie diese oder kurz darauf der Lockdown aufgrund der Corona Pandemie gehen nicht spurlos an einem Unternehmer vorbei. Sie verändern den Blick auf das eigene Unternehmen. Auf Erfolg. Auf Sicherheit. Und manchmal auch auf sich selbst.
Rückblickend glaube ich, dass genau diese Erfahrungen mich aber auch geprägt haben. Nicht nur die Erfolge. Ganz besonders die Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt weitermachen möchte. Und mich dann durchgekämpft habe. Das hat mich stärker gemacht.
Mein größter Aha-Moment hatte mit Selbstständigkeit gar nichts zu tun.
Irgendwann wurde mir klar: Die Selbstständigkeit ist gar nicht das Problem.
Ich habe mir gar nicht die Selbstständigkeit angetan.
Heute würde ich das so zusammenfassen: Viele Selbstständige optimieren ihre Maßnahmen, bevor sie prüfen, ob sie überhaupt am richtigen Problem arbeiten.
Ich habe mir die Dinge angetan, von denen ich dachte, dass sie eben dazugehören.
Bei uns im Franchisesystem gab es einen bewährten, monatlichen Marketingplan. Tu dies und du wirst erfolgreich sein: Flyer, Promotion, Anzeigen, Kooperationen, Aktionen u.v.m. Blieben die Kontakte aus, hieß es: Dann hast du wohl einen der Punkte nicht konsequent genug umgesetzt.
Genauso ist es doch heute in der Onlinewelt: Du sollst ständig neue Kunden gewinnen. Immer sichtbar sein. Noch mehr Content produzieren. Die nächste Marketingstrategie ausprobieren. Wieder eine neue Plattform testen. Und wenn etwas nicht funktioniert hat? Dann eben noch mehr machen.
Damals war ich ständig beschäftigt. Aber irgendwann wurde mir klar: nicht unbedingt mit den richtigen Dingen.
Heute glaube ich, dass viele Selbstständige genau in diese Falle tappen. Wir übernehmen ungefragt die Regeln, die uns überall begegnen.
- „Du musst nur sichtbarer werden.“
- „Du brauchst mehr Reichweite.“
- „Du musst häufiger posten.“
Vielleicht stimmt das sogar manchmal. Am Anfang sicher. Aber dein Unternehmen entwickelt sich weiter. Wer schon länger dabei ist, braucht andere Strategien als Gründer.
Also was, wenn dein eigentlicher Engpass ganz woanders liegt?
Genau diese Frage hat meine Sicht auf Selbstständigkeit verändert. Seitdem geht es für mich nicht mehr darum, möglichst viel zu tun. Sondern zuerst herauszufinden, was sich überhaupt zu tun lohnt.
Im Studio habe ich genau das damals gemacht. Ich habe den Marketingplan radikal zusammengestrichen und mich nur noch auf etwa 20% der Maßnahmen konzentriert. Die 20 %, die tatsächlich den größten Einfluss auf unseren Umsatz hatten. Und plötzlich hatten wir einen neuen Rekordumsatz.
Das spart nicht nur Zeit und Energie. Es macht Selbstständigkeit auch wieder deutlich leichter. Seitdem suche ich nicht mehr nach der nächsten Marketingidee, sondern nach dem wahren Engpass.
Warum tun sich so viele Selbstständige Dinge an, die gar nicht nötig wären?
Heute glaube ich, dass viele Selbstständige gar nicht an ihrer Selbstständigkeit verzweifeln. Sie verzweifeln an den Vorstellungen, die sie davon haben, was dazu gehört.
- Dass man immer mehr arbeiten muss.
- Dass Wachstum automatisch mehr Marketing bedeutet.
- Dass weniger Umsatz nur mit noch mehr Werbung gelöst werden kann.
Oder dass Erfolg davon abhängt, auf jeder neuen Plattform vertreten zu sein. Warum eigentlich? Aus Angst etwas zu verpassen? Oder weil der Wettbewerber es so macht?
In meinem BWL-Studium vor über 20 Jahren habe ich gelernt: Es kommt drauf an. Im Business habe ich diesen Satz leider viel zu oft vergessen und Empfehlungen übernommen, die von erfahrenen Menschen kamen. Bis ich gemerkt habe, dass sie oft zu pauschal sind.
Daher suche ich heute nicht mehr nach der perfekten Umsetzung, sondern nach dem größten Hebel. Denn perfekt in die falsche Richtung bleibt trotzdem die falsche Richtung.
Nicht jedes Umsatzproblem ist ein Sichtbarkeits- oder Werbeproblem.
Manchmal liegt der größte Hebel ganz woanders. Versteckt. Du siehst ihn erst, wenn du genauer hinschaust. Vielleicht aus einer anderen Perspektive. Vielleicht mit einem Blick von außen.
Genau das fasziniert mich bis heute. Nicht möglichst viele Tipps zu sammeln, sondern herauszufinden, welche Veränderung gerade wirklich den Unterschied macht. Und dann nur das tun und alles andere loslassen.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich meine Selbstständigkeit heute viel entspannter erlebe als früher.
Was ich heute anderen Selbstständigen mitgeben würde
Wenn ich heute wieder vor der Entscheidung stünde: Ja, ich würde mich wieder selbstständig machen.
Ich würde mir aber auch sagen: Es wird nicht immer leicht. Ok, vermutlich hätte mein früheres Ich das dennoch auf die leichte Schulter genommen. Und eine gewissen Blauäugigkeit finde ich auch gut, damit man überhaupt startet.
Heute weiß ich aber auch, dass viele der Dinge, die mich viel Kraft, Nerven und auch ein Stück Gesundheit gekostet haben, gar nicht zur Selbstständigkeit gehören müssen. Ich habe sie nur dafür gehalten.
Ich muss heute nicht mehr überall mitmachen. Ich muss nicht jedem Trend hinterherlaufen. Und ich muss auch nicht jede Empfehlung umsetzen, nur weil sie bei jemand anderem funktioniert hat.
Ich entwickle meine eigene Strategie und frage mich stattdessen viel öfter:
Was bringt mein Unternehmen gerade wirklich weiter?
Allein diese eine Frage hat für mich vieles verändert.
Und vielleicht ist das auch meine Antwort auf die Frage dieser Blogparade:
Ich tue mir die Selbstständigkeit gerne an. Aber ich tue mir nicht mehr alles an, was angeblich dazugehört.
Wer tiefer einsteigen möchte …
Aus genau dieser Erkenntnis ist 2000 auch Kundenfairständnis® entstanden.
Nicht, weil ich Marketing plötzlich für unwichtig halte. Ganz im Gegenteil, ich bin Marketer und liebe Marketing.
Marketing bleibt ein wichtiger Bestandteil jedes Unternehmens.
Ich habe nur gelernt, dass zuerst eine andere Frage oft mehr bewirkt:
Arbeite ich gerade überhaupt am richtigen Hebel?
Denn Werbung ist nicht die Antwort auf jedes Umsatzproblem. Manchmal liegt die wahre Ursache ganz woanders.
Genau deshalb helfe ich heute Selbstständigen dabei, zuerst herauszufinden, was ihr Unternehmen wirklich weiterbringt, dann ihre Wirkung zu verstärken – ohne viele neue To-Do’s auf der Liste.
Wenn dich dieser Gedanke neugierig macht, dann lies gerne meinen Artikel:
„Warum dein Geschäft nicht wächst – obwohl du ständig etwas dafür tust.“
Dort erfährst du, warum viele Selbstständige am falschen Engpass arbeiten und wie du herausfindest, welcher Wachstumshebel in deinem Unternehmen gerade wirklich den größten Unterschied macht.
Kunden verstehen. Begeistern. Verdoppeln.
Hey, ich bin Katja Görke, Dipl. Marketing-Expertin, zert. Verkaufspsychologin. Nachdem ich 9 Jahre in einem internationalen Konzern als Brand Manager gearbeitet habe, habe ich 2008 mein erstes Unternehmen gegründet, ein Fitnessstudio in Hamburg.
Heute zeige ich Dienstleistern, Coaches und Trainern, die bereits Kunden gewinnen, wie sie durch gezielte Kundenbindung und weniger Akquise entspannter und mit weniger Aufwand wachsen können – und dabei mehr Umsatz mit bestehenden Kunden erzielen – anstatt zu viel Energie in immer neue Kunden zu stecken.
In 5 Schritten zu mehr Umsatz:
- Deine Top-Kunden verstehen,
- zum besten Anbieter für sie werden,
- ihre Begeisterung entfachen,
- Umsatz steigern, weil begeisterte Kunden mehr kaufen und
- neue passende Kunden mitbringen.
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