x5vyrqm05pjlyz9v8qp8iv0n193vxu

39 Jahre Schlüsseldienst: Was mich das Unternehmen meines Vaters über Selbstständigkeit gelehrt hat

Was mich das Unternehmen meines Vaters über Selbstständigkeit gelehrt hat

 

Heute vor 39 Jahren machte er sich selbstständig

 

Heute vor 39 Jahren gründete mein Vater seine Schlosserei.

Wenn man mich als Kind gefragt hätte, was mein Vater beruflich macht, habe ich einfach gesagt: „Er ist Schlosser.“

Und das traf es eigentlich ganz gut.

Denn obwohl später viele Menschen wegen des Schlüsseldienstes zu ihm kamen, war seine eigentliche Leidenschaft das Schlosserhandwerk. Metall bearbeiten. Dinge bauen. Reparieren. Lösungen finden. Mit den Händen etwas schaffen. Für Menschen, die seine Hilfe brauchten.

Die Schlosserei eröffnete er noch zu DDR-Zeiten. Damals war es nicht selbstverständlich, sich selbstständig zu machen. Die Genehmigung bekam er nur unter einer Bedingung: Er sollte zusätzlich einen Schlüsseldienst anbieten. Einen festen Ansprechpartner in unserem Ort, an den sich die Menschen wenden konnten.

Also machte er es.

Bestimmt nicht, weil sein Herz besonders für Schlüssel schlug. Sondern weil es die Chance war, endlich sein eigenes Ding zu machen.

Und genau das wollte er.

Rückblickend war diese Auflage vermutlich einer der größten Glücksfälle für das Unternehmen. Denn nach der Wende veränderte sich vieles. Die Nachfrage nach klassischen Schlosserarbeiten ging zurück. Gleichzeitig mussten Häuser, Wohnungen und Firmen besser gesichert werden. Plötzlich wurden Sicherheitsschlösser, Schließanlagen und Einbruchschutz gefragt.

Der Schlüsseldienst lief.

Die Schlosserei machte dagegen zunehmend Sorgen.

Wenn ich heute an das Unternehmen meines Vaters denke, denke ich deshalb nicht nur an eine Werkstatt voller Metallspäne, Maschinen und Werkzeug. Oder den typischen Geruch, den Schweißgerät und Flex hinterlassen. Ich denke auch an etwas anderes.

An eine Erkenntnis, die ich erst viele Jahre später verstanden habe:

Selbst wenn die Kunden von allein zu dir kommen, wird Selbstständigkeit nicht automatisch leichter.

 

Eigentlich hatte er die perfekte Ausgangslage

 

Rückblickend hatte die Sache mit dem Schlüsseldienst noch einen weiteren Vorteil.

Im Ort gab es zwar auch andere Schlossereien. Wer aber einen Schlüssel brauchte, sich ausgesperrt hatte oder später seine Schließanlage modernisieren wollte, kam zu meinem Vater.

Besonders nach der Wende erwies sich das als Glücksfall.

Während klassische Schlosserarbeiten immer weniger gefragt waren, stieg der Bedarf an Sicherheitstechnik. Versicherungen stellten höhere Anforderungen. Häuser und Firmen wurden mit neuen Schlössern und Schließanlagen ausgestattet. Viele Menschen mussten umrüsten.

Der Schlüsseldienst lief gut.

Und obwohl unsere Familie im Ort bekannt war, war mein Vater nicht mehr einfach Herr Siebernik. Er war der Schlüsseldienst. Wer ein Problem mit einem Schloss hatte, wusste meist, wohin er sich wenden konnte.

Von außen betrachtet klingt das nach einer Situation, von der viele Unternehmer heute träumen würden.

  • Bekanntheit.
  • Vertrauen.
  • Kunden, die beinahe von allein kommen.
  • Keine ständige Sorge, wo der nächste Auftrag herkommen soll.

Eigentlich die perfekte Ausgangslage.

 

Das Problem: Mehr Kunden lösen nicht alle Probleme

 

Trotzdem wurde nicht alles einfacher.

Denn mein Vater war nie besonders gut darin war, Feierabend zu machen. Wenn jemand Hilfe brauchte, versuchte er zu helfen. Er war für alle da. Wenn ein Problem gelöst werden musste, fand er eine Lösung.

Das machte ihn bei vielen Menschen beliebt. Es sorgte aber auch dafür, dass die Arbeit oft mehr Platz im Leben einnahm, als ihr vielleicht zustand. Oder auch guttat.

Mit der Wende 1989 kam auch die Wende im Geschäft:

Der Schlüsseldienst lief zwar gut, doch die Schlosserei machte zunehmend Sorgen.

Ich war damals noch jung und habe viele Dinge natürlich nicht in ihrer ganzen Tragweite verstanden. Aber ich habe mitbekommen, dass sich etwas verändert hatte.

Vor der Wende war die Schlosserei sein Ding. Das, wofür er morgens aufstand. Das Handwerk, das er liebte. Ich werde nie vergessen, mit welcher Freude er ans Werk ging und wie seine Augen dabei blitzten.

Nach der Wende veränderte sich der Markt. Der Schlüsseldienst wurde immer wichtiger. Die klassische Schlosserei dagegen immer weniger.

Statt vom Klang der Flex wurde ich nun vom Kreischen der Schlüssel-Fräsmaschine empfangen, wenn ich aus der Schule kam. Statt Tonnen an Winkel- und Flacheisen auf dem Hof schmückten nun Schlüsselrohlinge jeder Art die Werkstattwand. Und auch die hektischen Anrufe, weil sich jemand ausgeschlossen hatte, während der Kochtopf auf dem Herd stand, häuften sich.

Besonders eine Entscheidung ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.

Mein Vater musste seinen Mitarbeiter entlassen. Einen Menschen, der ihm ans Herz gewachsen war, der ihn unterstützt hatte, mit dem er tagtäglich gelacht hat.

Nein, er war nicht unzufrieden mit ihm. Er hatte auch nichts falsch gemacht. Die Aufträge reichten schlichtweg nicht mehr aus, um ein zusätzliches Gehalt zu zahlen.

Für große Unternehmen gehört so etwas zum Tagesgeschäft.

Für meinen Vater nicht.

Er fühlte sich verantwortlich für den Menschen, der für ihn arbeitete. Und ich glaube, genau deshalb hat ihn diese Entscheidung besonders getroffen.

Erst als ich selbst Unternehmerin wurde, habe ich nach und nach verstanden, was meinen Vater damals beschäftigt haben muss.

Hinter der Freiheit, sein eigenes Ding zu machen, stehen Verantwortung und Entscheidungen, die nicht immer leicht sind.

 

Die Geschichte mit der zugeschlagenen Tür

 

An eine andere Situation erinnere ich mich ebenfalls noch ziemlich genau. Ich muss etwa 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein.

Ein Geschäftsmann kam in die Werkstatt und fragte nach meinem Vater. Genauer gesagt fragte er nicht. Er verlangte, dass mein Vater sofort zu ihm kommt.

Mein Vater war beschäftigt. Also sagte ich ihm, dass er einen Moment warten müsse. Fünf Minuten vielleicht. Mehr waren es jedenfalls nicht.

Doch das reichte aus, um ihn ziemlich ungehalten werden zu lassen. Er beschwerte sich lautstark. Wurde ungeduldig. Und machte sehr deutlich, dass er dieses Warten für völlig unangemessen hielt.

Ich erinnere mich nicht mehr an jedes Wort. Aber ich erinnere mich noch genau daran, wie ungerecht ich das fand. Was glaubte er, wer er war?

Mein Vater arbeitete den ganzen Tag. Er half Menschen. Er war für alle da. Und nun stand dort jemand, der sich aufregte, weil er ein paar Minuten warten musste.

Also tat ich, was man als Kind manchmal tut. Ich knallte ihm die Tür vor der Nase zu.

Die anschließende Standpauke kam nicht einmal von meinem Vater, sondern von meiner Mutter. Sie war deutlich weniger begeistert von meiner spontanen Aktion als ich selbst.

Heute würde ich die Tür vermutlich nicht mehr zuschlagen. Die Erkenntnis dahinter halte ich allerdings immer noch für richtig:

Nur weil jemand Kunde ist, darf er sich nicht alles erlauben.

 

Was ich erst viel später verstanden habe

 

Als Kind war die Sache für mich einfach. Jemand war unhöflich zu meinem Vater. Also hatte ich reagiert.

Heute sehe ich die Situation natürlich differenzierter.

Der Geschäftsmann hatte vielleicht selbst Stress. Vielleicht stand er unter Zeitdruck. Vielleicht wartete irgendwo ein Kunde auf ihn. Ich kenne seine Geschichte nicht.

Trotzdem halte ich die Erkenntnis hinter meiner spontanen Reaktion bis heute für richtig. Nur weil jemand Kunde ist, muss man sich nicht alles gefallen lassen.

Viele Selbstständige starten mit dem Wunsch, Menschen zu helfen.

So wie mein Vater.

Und genau darin versteckt sich manchmal auch eine Gefahr.

Wer immer für alle da sein will, zieht natürlich auch Menschen an, die das für selbstverständlich halten.

Wer immer hilft, wird irgendwann für selbstverständlich gehalten. icuUnd wer nie Grenzen setzt, zahlt oft selbst den Preis dafür.

Ein volles Auftragsbuch schützt nicht vor anstrengenden Kunden.

Im Gegenteil.

Je mehr Menschen zu dir kommen, desto unterschiedlicher werden ihre Erwartungen. Ich habe das Jahre später selbst in meinem Fitnessstudio erlebt.

 

Das eigentliche Missverständnis vieler Selbstständiger

 

Wenn ich heute mit Selbstständigen spreche, höre ich oft ähnliche Wünsche.

  • Mehr Sichtbarkeit.
  • Mehr Reichweite.
  • Mehr Anfragen.
  • Mehr Kunden.

Dagegen ist grundsätzlich ja gar nichts einzuwenden. Doch was passiert dann?

 

Mehr Kunden lösen nicht automatisch die Probleme, die vorher schon da waren.

  • Wer Schwierigkeiten hat, Grenzen zu setzen, muss das plötzlich bei noch mehr Menschen tun.
  • Wer sich mit seinen Preisen schwertut, führt dieselben Gespräche nur häufiger.
  • Wer für jeden alles möglich machen will, hat irgendwann einen Kalender voller Sonderlösungen.

Ich glaube, dass genau deswegen viele Unternehmer trotz guter Auftragslage ständig unter Druck stehen.

Sie haben genug Kunden. Aber wissen zu wenig darüber, mit wem sie eigentlich arbeiten möchten.

Die wichtigste Erkenntnis meiner Arbeit der letzten Jahre lautet deshalb nicht:

Gewinne mehr Kunden, sondern gewinne mehr passende Kunden:

  • Menschen, die deine Arbeit wertschätzen.
  • Menschen, die deine Grenzen respektieren.
  • Menschen, mit denen die Zusammenarbeit beiden Seiten Freude macht.

Denn ein erfolgreiches Unternehmen entsteht nicht allein durch die Anzahl der Kunden. Sondern vor allem durch die Qualität der Beziehungen zu ihnen.

 

Mein Fazit nach 39 Jahren

 

Als ich später selbst Unternehmerin wurde, habe ich viele Situationen erlebt, die mich an meinen Vater erinnerten.

Auch in meinem Fitnessstudio gab es Menschen, denen ich helfen wollte.

Menschen, die Unterstützung brauchten.

Menschen, für die ich Lösungen gesucht habe.

Und auch dort habe ich irgendwann festgestellt, dass mehr Kunden nicht automatisch zu einem besseren Unternehmen führen.

Denn unter vielen Kunden sind immer Menschen dabei, die hervorragend zu dir passen. Und andere, bei denen die Zusammenarbeit für beide Seiten anstrengend wird.

Vielleicht beschäftigt mich das Thema Kundenbindung deshalb bis heute. Mir geht es nicht vorrangig um den Mehr-Umsatz, der dadurch möglich wird.

Ich habe erlebt, wie viel leichter Selbstständigkeit wird, wenn die richtigen Menschen bleiben.

Menschen, die deine Arbeit schätzen.

Menschen, denen du wirklich helfen kannst.

Menschen, die gerne wiederkommen, statt nur einmal zu kaufen.

Und wie daraus oft ganz nebenbei mehr Umsatz, mehr Freiraum und mehr Freude an der Selbstständigkeit entstehen.

Wenn ich heute auf die 39 Jahre des Unternehmens meines Vaters zurückblicke, dann denke ich deshalb nicht zuerst an Schlüssel, Schlösser oder Schließanlagen.

Ich denke an die Menschen, die über Jahrzehnte immer wiedergekommen sind. An die Beziehungen, die entstanden sind. An das Vertrauen, das über Jahre gewachsen ist.

Und ich bin mir sicher, dass genau das der Grund ist, warum die Menschen in meinem Heimatort bis heute zum Schlüsseldienst Siebernik gehen.

Mein Vater wäre so stolz darauf. Und auf seine Familie, für die er das alles gemacht hat.

 

Diesen Artikel widme ich meinem Vater für alles, was ich von ihm lernen durfte.

Und ich danke demjenigen, der das Unternehmen nach seinem Tod übernommen und viele Jahre weitergeführt hat.

Kunden verstehen. Begeistern. Verdoppeln.

Ich zeige dir, wie du mehr Umsatz durch Stammkunden bekommst

Hey, ich bin Katja Görke, Dipl. Marketing-Expertin, zert. Verkaufspsychologin. Nachdem ich 9 Jahre in einem internationalen Konzern als Brand Manager gearbeitet habe, habe ich 2008 mein erstes Unternehmen gegründet, ein Fitnessstudio in Hamburg.

Heute zeige ich Dienstleistern, Coaches und Trainern, die bereits Kunden gewinnen, wie sie durch gezielte Kundenbindung und weniger Akquise entspannter und mit weniger Aufwand wachsen können – und dabei mehr Umsatz mit bestehenden Kunden erzielen – anstatt zu viel Energie in immer neue Kunden zu stecken.

 

In 5 Schritten zu mehr Umsatz:

  1. Deine Top-Kunden verstehen,
  2. zum besten Anbieter für sie werden,
  3. ihre Begeisterung entfachen,
  4. Umsatz steigern, weil begeisterte Kunden mehr kaufen und
  5. neue passende Kunden mitbringen.

Das willst du auch? Lass uns sprechen:

Zum kostenfreien Erstgespräch
Kundenfairständnis Wachstums-Rad für Dienstleister, Coaches und Berater

Weiterführende Artikel zu diesem Thema

Vielleicht hat dieser Beitrag etwas bei dir angestoßen.
Hier sind weitere Artikel, die gut dazu passen:

PS: Wenn du solche Gedankenanstöße regelmäßig möchtest, findest du sie zuerst im > Newsletter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner